Das Weihnachtskind
Von Kamil Krejci*
Weihnachten donnert schon mit mächtigen Füssen und Händen
an die Fenster und Türen. Gut, in den Warenhäusern macht
es das ja schon seit Anfang August, aber nun hat das Gepolter auch
bei uns zu Hause begonnen.
Unser siebenjähriger Sohn hat uns mindestens fünfundzwanzig
Stunden täglich mit der Bitte terrorisiert, endlich alles etwas
weihnachtlich zu gestalten. Einem mehrkehligen Halleluja gleich war
der Jubel, als wir schliesslich einwilligten. Heimlich wollte ich
meiner Frau die Schachteln mit den Milliarden Engeli und Lichterketten,
den Sternen und Nikoläusen bereit stellen, und sie würde,
wie jedes Jahr, unser Wohnzimmer über Nacht mit all dem Adventlichen
zupflastern. Mit unserem Sohn würden wir dann, wie jedes Jahr,
das vom Christchindli gestaltete Kunstwerk begutachten.
Doch kurz nach dem Verhallen des Halleluja schleppte unser Neunmalklug
unzählige Kisten an.
Generalstabsmässig dirigierte er uns, und wir mussten jenes dorthin
legen, selbiges dahin drapieren. Als ich eines der zehntausend Rentiere
auf das Klavier stellte, bekam ich ganz böse Blicke. «Papi,
du weisst doch: Das Christchindli stellt den immer auf den Schrank!»
Er zweifelte an der In¬telligenz seines Vaters und zwinkerte schelmisch
seiner Mutter zu.
* Kamil Krejci ist Schauspieler und Regisseur, und sein Sohn wird
zu schnell erwachsen.
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